Meine 15 Reisetipps für den IRAN

 

Ist das nicht gefährlich?!

Ich hatte schon immer eine Faszination für orientalische Länder. Und manchmal sollte man sich ein eigenes Bild von den Dingen machen. Gerade von einem Land, das einen Dauerpräsenz in unseren westlichen Medien hat. Ich bin jedenfalls mit einer ganz anderen Sichtweise auf den Iran zurückgekehrt. Und nein, der Iran ist nicht gefährlich. Wer mir nicht glaubt, werfe ein Blick auf die aktuelle World Risk Map.

Der Iran ist ein gutes Reiseziel für Dich:

  • wenn Du authentische Bazare sehen möchtest, auf denen Dich nicht jeder Verkäufer gleich anspringt wie in in Nordafrika
  • wenn Du jemand bist, der gerne hinter die Kulissen eines politischen Konflikts schaut
  • wenn Du geschichtlich interessiert bist, denn der Iran hat viele altpersische Sehenswürdigkeiten und ist die Wiege des Zoroastrismus
  • wenn Du eine neue Küche kennenlernen möchtest, die nochmal ganz anders ist als die orientalische und die indische Küche
  • wenn Du nicht länger als 5 Stunden fliegen möchtest
  • wenn du ein günstiges Reiseziel suchst
  • wenn Du Wüsten magst.

In Kopftuch und Mantel bei 32 Grad

Vor Eurer Reise in den Iran solltet Ihr wissen, dass auch Touristinnen auf ihrer Reise  ein Kopftuch tragen müssen sowie einen Mantel, der den Po bedeckt. In der Praxis hat sich gerade der Mantel als ziemlich anstrengend erwiesen. Anfang Oktober sind noch häufig über 30 Grad im Iran und so saß ich bereits am ersten Abend in unser Unterkunft und versuchte verzweifelt das Innenfutter aus meinem Trenchcoat herauszutrennen.

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Für den Iran benötigt Ihr ein Visum. Ihr solltet außerdem wissen, dass Ihr nach Euer Iran-Reise Probleme haben werdet, in bestimmte Länder einzureisen. Wollt Ihr z.B. nach Israel, benötigt Ihr unbedingt einen Zweitpass, sonst sitzt Ihr sofort im Flieger zurück nach Deutschland. Bei einer geplanten USA-Reise, fallt Ihr mit einem Iranvisum im Reisepass aus dem ESTA-Verfahren und müsst regulär ein Visum beantragen inklusive Interviewtermin in der amerikanischen Botschaft. Dies gilt meines Wissens nach auch für Kanada, Australien und Neuseeland.

Meine erste und letzte Gruppenreise

Leider sind wir nur ein paar Tage ganz alleine im Iran gereist. Die Reise durch den Süden des Landes haben wir organisiert mit einer Gruppe unternommen. Aus heutiger Sicht würde ich mir zutrauen, das  Land komplett eigenständig zu bereisen. Inzwischen kenne ich genügend Personen, die selbst organisiert im Iran unterwegs waren. Außerdem ist der Iran in den letzten Jahren als Reiseland so stark im Kommen, dass es inzwischen deutlich mehr Informationen für Individualreisende gibt. Als Tourist könnt Ihr auf jedenfall darauf setzen, dass die Menschen im Iran wahnsinnig hilfsbereit und neugierig gegenüber Reisenden sind.

Die Iraner nennen sich selbst Perser und haben eine Botschaft an die Welt

Obwohl ich „Gastfreundschaft“ und „freundliche Einheimische“ für typische Begriffe in Reiseführern halten (die dann auftauchen, wenn dem Autor nichts Spannendes zu Ort und Land mehr einfällt), treffen beide nahezu perfekt auf den Iran  zu.

Als Mitteleuropäer denken wir natürlich sofort, wenn wir auf der Straße angesprochen werden, man möchte und etwas verkaufen. Nicht im Iran. Wir wurden begrüßt, unser Gegenüber stellte sich kurz vor (mal war er Zahnarzt, mal Student oder Informatiker) und fragte freundlich, wo wir herkommen und was uns denn genau in den Iran verschlagen hätte. Dann bedankten die Iraner sich, dass wir ihr Land als Reiseziel gewählt hatten und gaben uns immer mit, über Ihr Land werde sehr schlecht in der Welt gesprochen und wir sollen wissen, dass die Iraner (die sich selbst Perser nennen) anders sind als die Außenpolitik des Irans. Gerade bei jüngeren Persern kam übrigens fast ein bisschen China-Feeling auf. Wir waren mal wieder DAS Fotomotiv schlechthin.

Ich habe die Perser als hoch gebildetes Volk kennengelernt. Viele Frauen haben hohe Bildungsabschlüsse, sind emanzipiert und alle leiden unter den Restriktionen des Auslands. In Teheran gibt es Undergroundpartys und die iranische Filmszene räumt jedes Jahr bei den ausländischen Festivals die vorderen Preise ab. Der Iran ist eben nicht nur die Frau im Tschador. Ich hatte im Iran übrigens mehr das Gefühl in einem westlichen Land zu sein als in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Am Ende der Reise war es so wie sich es die Perser, die wir kennengelernt hatte, es sich gewünscht hatten: Ich habe nun ein Bild der Menschen und trenne dieses strikt von der Politik des Irans.

Kopftuchtipps for Beginners

Ihr werdet im Iran wahrscheinlich zum ersten Mal in Eurem Leben mit einem Kopftuch unterwegs sein. Nach zwei Wochen Erfahrung kann ich Euch raten, unbedingt Tücher aus Baumwollstoff einzupacken! Seidentücher sind ständig am Rutschen und daher wohl nur etwas für die erfahrene Kopftuchträgerin. Frauen mit etwas längeren Haaren, sollten sich einen hohen Bun / Dutt machen, der über dem Scheitelpunkt liegt. So könnt Ihr das Kopftuch quasi „aufhängen“. Dem Dutt könnt Ihr für einen besseren Halt des Kopfuchs mit einem entsprechenden  Haargummi mehr Volumen geben. Hier tut es aber auch eine Socke (Zehenbereich vorne abschneiden und Sockenschlauch zu einem Dutt-Gummi aufrollen-alles im iranischen Hotelzimmern selbst durchgeführt).

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Meine 15 Tipps für eine spannende Reise durch den Iran

 

 #1 „Persischer Wochenendausflug“ nach Darband

Die Teheraner fahren gerne am Wochenende an den Fuß des nahen Gebirges nach Darband. Hier könnt den Ihr den Ausblick auf Teheran genießen, gemütlich auf Diwanen mitten im Fluss essen und Shisha rauchen. Treppen und verwinkelte Pfade führen immer weiter hinauf in die Berge. Darband ist übrigens ein beliebter Ort für Dates. 😀

Nehmt die Metro bis Tajrish BRT 7, danach fahrt Ihr mit einem gelben Sammeltaxi weiter. Am Metroausgang werdet Ihr von zahlreichen inoffiziellen Taxifahrern angesprochen. Nehmt lieber ein offizielles Taxi, so zahlt Ihr deutlich weniger.

 

#2 Die Gräber in Persepolis

Für Geschichtsinteressierte ist Persepolis DAS Highlight des Irans. Die Stadt war einst Zentrum des antiken Perserreiches und wurde um 330 v. Christus von Alexander dem Großen zerstört. Was von Persepolis übrig ist bzw. rekonstruiert wurde, kann heute besichtigt werden. Viel beeindruckender als die Stadt Persepolis selber fand ich die Felsengräber, die ca. 4 km von Persepolis entfernt sind. In Shiraz könnt Ihr Euch eine Tour nach Persepolis und zu den Felsgräbern buchen. Die Gräber selber heißen übrigens Naqsch-e- Rostam.

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#3 Anti-amerikanische „Streetart“ in Teheran

Wandert durch die City von Teheran und haltet Ausschau nach Streetart der etwas anderen Art. Die Totenkopf-Freiheitsstatur findet Ihr übrigens direkt an der ehemaligen amerikanischen Botschaft. Vermutlich bekomme ich nach diesem Post jetzt kein US-Visum mehr 🙂

 

#4 Schwarzmarktshopping im Frauenwaggon

In der Metro in Teheran gibt es für Frauen, die alleine unterwegs sind, eigene Frauenwaggons. Ich wollte daraufhin unbedingt mal alleine bei den Frauen mitfahren und war am Ende so fasziniert, dass ich total vergaß rechtzeitig auszusteigen und dann erstmal lost in Teheran war. 😀

Der Frauenwaggon ist nämlich ein mobiles Shoppingparadies. Kaum fuhr die U-Bahn an, kamen Frauen mit großen Taschen voller Kosmetikprodukte, Shampoos und Cremes durch den Gang. In einer rasenden Geschwindigkeit wechselten L’oréal Lippenstifte, Nivea Cremes und ein Braun Haar-Glätteisen direkt neben mir den Besitzer. Alles Produkte, die durch die Embargos nicht im Iran erhältlich sind.

 

#5 Eine Hennamühle besuchen

Wahrscheinlich hat sich jede(r) mal irgendwann in der Mittelstufe die Haare versucht mit Henna zu färben. Wie Hennapulver hergestellt wird, könnt Ihr im Iran live erleben. Wir haben diese kleine Hennamühle in Yazd besucht. Die Hennamühlen in Yazd findet Ihr entlang der Kashani Street.

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#6 Neues Probieren: Granatapfelhuhn und gefüllter Reisball

Die persische Küche hat zwar einige Gemeinsamkeiten mit der arabischen Küche, aber ist auch wieder etwas ganz eigenes. Probiert so viel wie Ihr könnt! Meine persönlichen Highlights waren  Fesenjaan (Huhn in Granatapfel-Walnuss-Soße) und Koofteh Tabrizi (Ein Reis-/Fleischball, der mit Aprikosen und Walnüssen gefüllt ist). Großartig ist auch gebutterter Reis oder ein Reishut.

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#7 Die Wüstenstadt Yazd

Yazd hat mir von allen Städten, die wir gesehen haben am besten gefallen. Yazd ist eine Oasenstadt und hat die Farben der Wüste. Über den rötlichen Hausdächern ragen die traditionellen Windtürme auf, die für Kühlung in den Häusern sorgen. Im historischen Zentrum spaziert Ihr durch enge Gassen und findet dort noch den ein oder anderen Feuertempel, denn Yazd ist das Zentrum der zoroastrischen Religion im Iran, die als Vorgänger aller monotheistischen Religionen gilt.

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#8 Mit einem Granatapfelsaft über den großen Platz in Isfahan schlendern

Die zweit schönste Stadt unserer Reise war Isfahan. In der zweit schönsten Stadt findet Ihr den zweit größten Platz der Welt (nach dem „Platz des himmlischen Friedens“ in Peking), den Meidan-e Emam. Der Palast wird vom Bazar, einer Moschee und einer Palastanlage umrahmt. Hier trifft man sich in Isfahan. Besonders schön schlendert es sich über den Platz mit einem Granatapfelsaft in der Hand, den Ihr überall in Isfahan „to-go“ kaufen könnt. Als Touristen seid waren wir besonders hier beliebtes Fotoobjekt und viele Einheimische werden versuchen mit Euch ins Gespräch zu kommen.

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#9 Der alte Bazar von Isfahan

Der alte Bazar von Isfahan war definitiv der schönste Bazar unserer Reise (und wir haben sicher 10 verschiedene Bazare besucht). Bummelt durch die schummrigen Gänge und schaut, was es an Gewürzen, Schmuck, Tees und Teppichen zu kaufen gibt. Meine Reise vor dem Iran ging übrigens nach Marrakesch und daher waren die Bazare im Iran im Vergleich ein Ort der Ruhe und Entspannung. 😀  Die Verkäufer sind allenfalls neugierig, wo Ihr herkommt.

 

#10 Teepause im Garten des Abassi Hotels

Das Abassi Hotel ist eines der besten Hotels in Isfahan. Der Garten ist eine Oase aus 1001 Nacht und kann auch von Nicht-Hotelgästen besucht werden. Hier könnt Ihr Euch einen Tee bestellen und dazu die isfahaner Spezialistät Gaz probieren – weißer Nougat mit Pistazien.

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Hotel finden

 

#11 Die Freitagsmoschee in Isfahan

Der Iran hat zahlreiche tolle alte Moscheen aus der Zeit der Seidenstraße. Die Freitagsmoschee in Isfahan ist wohl die beeindruckendste Moschee des Landes. Hier  habe ich einfach im Schatten gesessen und beobachten, wie  ein alter Mann in geradezu meditativen Bewegungen die Gebetsteppiche eingerollt und wieder ausgerollt hat.

 

#12 Mittagessen auf dem Diwan in der Traditional Banquet Hall

Im Iran sitzt Ihr in Restaurants auf sogenannten Diwanen – Podesten die mit Teppichen ausgelegt sind. Besonders schöne Diwane und persisches Flair findet Ihr gleich am großen Platz von Isfahan in der Traditional Banquet Hall. Aber Achtung, es gibt sicher einfachere Dinge als Essen auf dem Boden mit Kopftuch.

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Restaurant finden

 

#13 Die Toten und die Geier: Die Zoastriergräber in Yazd

In Yazd könnt Ihr noch heute die „Türme des Schweigens“ besichtigen. Früher setzten die Zoastrier hier ihre Toten bei durch eine sogenannte „Himmelsbestattung“. Die Toten wurden auf die Plattformen der Gebäude gelegt und man wartete bis die Geier kamen. Ein bisschen gruselig ist das schon.

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#14 Die Gedichte von Rumi

Die Lyrik-Busreise hat am Ende wohl doch noch dazu geführt, dass ich inzwischen einen „Persischen Lieblingsdichter“ habe. Meiner heißt Rumi, ist 800 Jahre alt und hat sich zu seiner Zeit bereits mit modernen Themen wie Selbstfindung auseinander gesetzt, wie wir es heute nicht anders tun würden.

Eine lyrische Kostprobe:

„Vergiss Sicherheit. Lebe, wo Du fürchtest zu leben. Zerstöre deinen Ruf. Sei berüchtigt.“

„Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort werden wir uns treffen.“

„Der Mensch hat viele Fähigkeiten, aber das größte Talent entwickelt er bei der Vernichtung der Natur.“

 

#15 Kauft günstig Safran

Bringt Euren Familien und Freunden doch einfach Safran aus dem Iran mit, denn der ist dort wirklich günstig. 90% des Safrans weltweit kommt übrigens aus dem Iran. Ihr seid also quasi direkt an der Quelle. Safranverkäufer findet Ihr auf jedem Bazar.

Geheimtipps Teheran 3

 

Gibt es etwas, was sich nicht lohnt?

Mir persönlich hat Shiraz nicht so gut gefallen. Die Stadt hatte einfach nicht den Charme der anderen Orte unserer Reise. Auch die Hauptsehenswürdigkeit von Shiraz, das Grab des Dichters Hafiz und der angeblich prächtige Garten, haben mich eher enttäuscht. Der Garten war ziemlich vertrocknet und vermüllt.

Für Teheran reichen zwei Tage, es sei den Ihr wollt tiefer in die Kunst- und Kulturszene abtauchen. Was sich auch gar nicht „lohnt“, sind übrigens die öffentliche Toiletten im Iran. 😀 Die bekommen in meinem persönlichen „bad toilets ranking“ Platz Nr. 2 – direkt nach China. Und was Ihr Euch definitiv auch sparen könnt, ist jede Minute zu viel am Flughafen von Teheran. Spaßbefreiter ist nur noch der Flughafen Berlin Schönefeld. Am Teheraner Flughafen gibt es zumindest noch einen Gebetsraum.

 

Welche Route durch den Iran ?

Meine Iran-Route ist eine sehr klassische Route, die viele Reisegruppen nehmen. Einige Reisende verlängern Ihre Rundreise noch nach Norden ans kaspische Meer. Da sich Schiraz nach meiner Meinung nicht lohnt, können weniger Geschichtsinteressierte den Schlenker nach Süden (nach Shiraz und Persepolis) weglassen.

Ghom ist eine heilige Stadt der Shiiten und daher für Relegionsinteressierte sicher interessant. Als Frau muss man hier nicht nur ein Kopftuch, sondern auch den Tschador tragen. Tschadore gibt es am Eingang zum heiligen Schrein zu leihen. Für Reisende, die sich wie wir eher für Landschaft, Bazare, alte schöne Moscheen und Politik interessieren, empfehle ich die Städte Teheran, Kaschan, Isfahan und Yazd.

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2 Kommentare zu „Meine 15 Reisetipps für den IRAN

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