Geheimtipps für PEKING

Gehemtipps beijing

 

Nach Beijing verschlug mich mehr als eine Reise. Hier verbrachte ich 13 Wochen, in denen ich in das chinesische Alltags- und Arbeitsleben abtauchte. Neben einem Praktikum und einem Mandarin-Intensivkurs – von dem ich heute leider jedes Wort vergessen habe – hatte ich viel Zeit die Stadt zu erkunden. Beijing ist neben Saigon die anstrengendste Stadt, in der ich je war – Manila einmal außen vor gelassen (diese Stadt rangiert für mich nochmal in einer ganz anderen Liga). Der ständige Verkehrskollaps, die brenzlig riechende Luft, die manchmal nur rötlich erahnbare Sonne hinter der Smogwand…

ABER Beijing ist auch die Stadt, die mich mit am meisten fasziniert hat in Asien. Hier trifft die Vergangenheit auf die Zukunft, überall gibt es neue Dinge zu probieren, bei denen ich mir vorher nicht vorstellen konnte, dass sie essbar sind und es wurde mir auch nach 13 Wochen nicht langweilig, obwohl ich nur einmal die Stadt verließ.

Beijing ist Euer Reiseziel:

  • wenn Euch das alte China fasziniert
  • wenn Ihr gerne neue abgefahrene kulinarische Dinge probiert
  • wenn Ihr gerne fotografiert
  • wenn es Euch nicht abschreckt Euch meist mit Händen und Füßen verständigen zu müssen
  • wenn Ihr gerne Tee trinkt
  • wenn Ihr keine chronische Atemwegserkrankungen habt.

Surviving Beijing

Manchmal werdet Ihr das Gefühl bekommen, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Vielleicht habt Ihr schon von den Fahrstühlen gehört, in denen es kein 4. und 14. Stockwert gibt, weil in beiden Worten die Unglückszahl 4 steckt, die sich auf Mandarin genauso ausspricht wie das Wort „Tod“. Immer wieder beobachtet man in Beijing Dinge, die wir „Weiguoren“ aus dem westlichen Ausland nicht verstehen. Leuchtende Ufos an langen Leinen am Nachthimmel, tanzende Rentner in Parks, Aschehaufen um die ein Kreidekreis gezogen wurde, Märkte auf denen Riesengrillen als  Haustiere verkauft werden, synchrone Fitnessübungen von 80 Büroangestellten vor einem Wolkenkratzer im Central Business District... Es gibt so viel zu entdecken, so viele Fragezeichen aufzuklären und mit so vielen ungeklärten Fragen über die Chinesen wieder nachhause zu fliegen. Auch weil man die Fragen häufig einfach nicht stellen kann, denn in keinem Land auf der Welt bin ich so wenig mit Englisch vorangekommen wie in China.

Mein wichtigster Überlebenstipp für Individualentdecker Beijings ist daher: ladet Euch vorher zum Taxifahren eine App mit allen Fahrzielen auf chinesisch runter („z.B. Beijing Taxi Guide“) oder lasst Euch von Angestellten Eurer Unterkunft die Adresse und Eure Ausflugsziele in Chinesisch im Vorfeld aufschreiben. Man geht leicht in der Stadt verloren, auch weil kein Taxifahrer Euch gegenüber zugeben wird, dass er nicht verstanden hat wohin Ihr wollt – er könnte nämlich sein Gesicht verlieren. Das U-Bahnnetz ist gut ausgebaut, nach meiner Erfahrung gab es aber immer wieder die Notwendigkeit Taxi zu fahren.

Jauzi, Baumpilzsalate und tausendjährige Eier

Chinesisches Essen in China hat mit der „Chinaküche“ wie wir sie in Deutschland kennen, sehr wenig zu tun. „Chinesisch“ in China gibt es nicht, denn die chinesische Küche besteht aus gefühlt 100 einzelnen Küchen der jeweiligen Provinzen. So geht man entweder nordchinesisch essen, ins Yunnan Restaurant, ins Sichuan Restaurant, in ein kantonesisches Restaurant (was unserem Verständnis von „Chinaessen“ wohl noch am nächsten kommt) oder zum Uiguren, usw. usw… Eine Reise nach China sollte daher immer auch eine kulinarische Entdeckungsreise sein! Ich könnte stundenlang über chinesisches Essen schreiben, über all die Jauzi-Restaurants (gefüllte Teigtaschen), Pekingenten, haarigen Krabben, die Baumpilzsalate, Hahnenkämme, tausendjährigen Eier, Entenschwimmhäute und was ich sonst noch so alles probiert habe.

Natürlich könnt Ihr Euch auf dem Dong-Hua-Men-Nachtmarkt mit den noch krabbelnden Insekten am Spieß vergnügen, aber in jedem richtigen Restaurant findet Ihr mindestens auch ein paar spannende Dinge, die Ihr noch nie probiert habt.  Für die nicht so Experimentiertfreudigen empfehle ich Jauzi in allen Formen und Füllungen, den Gurkensalat mit Knoblauch, frittierte scharfe Kartoffelstreifen und die leckeren Wraps mit krosser Entenhaut. Und Achtung: Sichuanküche ist schärfer als unser „scharf“! Aufessen im Restaurant und besonders bei Privatbesuchen gilt als unhöflich und die Stäbchen dürfen nie einfach so aus Langeweile in die Reisschüssel gesteckt werden. Denn das soll aussehen wie ein chinesisches Grab. Und das bringt Unglück. Genauso muss der Gießer der Teekanne von den Menschen am Tisch wegzeigen, während der Kopf eines bestellten Fisches zur Person mit der höchsten Autorität am Tisch zeigt, z.B. zum Chef. 🙂 Essen in China hat seine ganz eigenen Regeln. Rülpsen und Spucken ist übrigens absolut ok. Lautes Naseputzen solltet Ihr lieber unterlassen.

 

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MEINE 12 GEHEIMTIPPS FÜR EINE WOCHE IN BEIJING

 

#1 Durchs traditionelle chinesische Leben flanieren vom nördlichen zentralen See zum Beihai Park

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Ihr steigt aus der Metro M2 in Jishuitan aus und lauft nun immer  westlich der Seen direkt am Wasser nach Süden. Mitten in Beijing seid Ihr plötzlich in einer Oase der Ruhe angekommen. Kleine Gässchen führen durch die Viertel der alten Hofhäuser (Hutongs) mit ihren gewölbten Dächern. Nur wenige Viertel haben die Abrissfreude vor den Olympischen Spielen in Peking überlebt. Dies ist eines davon. Von den nördlichen See Xihai gelangt man nach Süden laufend zum Houhai See. Am mittleren Houhai See findet Ihr direkt am westlichen Ufer das Chajiafu Tea House 茶家傅茶. Hier könnt Ihr auf einen Oolong Tee einkehren. Die Besitzerin spricht sogar ein bisschen deutsch und schenkt Euch meistens eine selbst gemachte Kalligraphie zum Abschied (wir haben einige davon gesammelt 🙂 ). Weiter geht es am See entlang Richtung Süden zum Beihai See.

Geheimtipps Peking 3Geheimtipps Peking 5

Im Beihai Park könnt Ihr auf den gleichnamigen See schauen, alte Männer bei Qi Gong beobachten, Euch kandierte Weintrauben am Spieß kaufen und wenn man Glück hat seht Ihr den alten Mann, der mit einem Wasserpinsel chinesische Kalligrafie auf die Pflastersteine zeichnet, die durch ihr langsames Verblassen die Vergänglichkeit der Dinge zeigen. Und man wird sich denken „Genauso habe ich mir China vorgestellt.“ Hach…

 

#2 Science Fiction Architektur im CBD

…und dann setzt Euch in die U-Bahn und fahrt direkt in den Central Business District zum CCTV Tower, dem Gebäude des chinesischen TV Senders (M10 Stop „Jintaixizhao“). Der harte Kontrast. In China toben sich besonders viele deutsche Architekten aus. Architektonisch gibt es in China wirklich nichts was es nicht gibt! Dann und wann fährt noch einmal ein alter Pferdekarren vor der Science Fiction Kulisse vorbei und man versteht plötzlich wie China wirklich ist.

CBD

 

#3 Stöbern und Handeln auf dem Panjiayuan “Antik“markt

Das mit dem „antik“ lassen wir mal so dahingestellt. Mein Fazit ist, dass Ihr hier wirklich noch das ein oder andere ungewöhnliche Souvenir erstehen könnt. Mit Seide bespannte Kartons, wunderschön bemalte Hutschachteln, „antike“ Münzen, kleine Kommoden, ein bisschen Flohmarkt, ein bisschen Kunst… Es lohnt sich im Vorfeld ein paar Zahlen auf Chinesisch zu lernen (ein Taschenrechner tut es aber auch), denn Handeln gehört für die Chinesen zum Kaufspaß dazu. In der dritten Verhandlungsrunde solltet Ihr  Euch übrigens vom Stand entfernen. Dann kommt einem der Verkäufer verzweifelt hinterher-gestikuliert und der Preis fällt abermals (M10 Stop „Jinsong“ und noch etwas nach Süden laufen).

antikmarkt

 

#4 Jauzi essen und Jasmintee im Stone Boat Cafe im Ritan Park

Hier habe ich häufig nach meinem Chinesisch Unterricht gesessen, die Abendsonne genossen und über den kleinen See und den chinesischen Garten geschaut. Die vegetarischen Jauzis (gefüllte nordchinesische Teigtaschen) sind wunderbar. Das WLAN und die Tees ebenfalls. Obwohl man mitten im CBD ist, ist es einfach still (M1 Stop „Jong’anli“).

stoneboat

 

#5 Die große Mauer: Der Klassiker, aber bitte an einer unklassischen Stelle der Mauer

Die große Mauer muss man natürlich gesehen haben, aber nicht im Touri-Abschnitt Badaling sondern lieber in Jinshaling. Hier habe Ihr die Mauer für Euch alleine. Hostels und Agenturen organisieren natürlich auch zu diesem Mauerabschnitt Touren. Für Abenteurer und Kletterfreaks empfehle ich den Mauerabschnitt Jiankou.

Für Panorama-Freaks

Für Abenteurer und Kletterer

grosse-mauer

#6 Der Lamatempel und die umliegenden Hutongs

Auch wenn China zur Zeit des Kommunismus weitgehend atheistisch war, finden heute Religionen wie der Buddhismus wieder großen Zulauf. (Ich habe übrigens auch eine große Zahl christlicher Chinesen kennengelernt.) Im alten Lamatempel könnt Ihr Euch etwas Räucherstäbchenrauch um die Nase wehen lassen, lebendigen Buddhismus beobachten und Euch von einem Spaziergang durch die schönen alten umliegenden Hutongs erholen (M2 / M5 Stop „Lamatemple“).

Lamatempel.jpg

 

#7 Eine etwas andere Fotoserie starten

Beijing ist ein grandioses Ziel für abgefahrene Fotoreihen. Wie wäre es zum Beispiel mit „Zurückfotografiert“ (Ihr fotografiert alle Chinesen zurück, die ein Foto von Euch machen werden – versprochen, es wird zahlreiche Gelegenheiten geben 😀 ). Oder „Chinesen transportieren Dinge“ (immer wieder spannend, was auf Rollern und Fahrrädern, so alles durch die Stadt chauffiert und transportiert wird). Weitere Tipps: Schlafende Chinesen (denn Powernapping wird in Beijing einfach überall praktiziert) oder wie wäre es mit „Best of Chinglish“? 😀 😀

Peking.png

 

#8 Die Bars um den Drum & Bell Tower

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Das Neukölln und Kreuzberg Beijings! Die Bars um den Drumtower herum, in der Nan Luo Gu Xiang oder im Fangjia Hutong sind richtig hipsterig, aber Achtung Cocktails können die Chinesen nicht wirklich. Sehr zu empfehlen ist aber das Tsingtao Bier, übrigens nach deutschem Reinheitsgebot gebraut.

 

#9 Eine Pekingente essen im Huajia Yijuan und danach ein nächtlicher Spaziergang auf der Geisterstraße Gui Jie

Wenn Ihr eine richtig authentische Pekingente in schönem Ambiente essen wollt, dann sei Euch dieses Hofhausrestaurant auf der Gui Jie, der Geisterstraße, empfohlen. Hier gibt es auch zahlreiche Hotpot- und Seafoodrestaurants. Am schönsten sitzt Ihr im Huajie wenn Ihr durch das vordere Restaurant durchlauft und über die kleine Straße in das Gebäude auf der anderen Seite der Gasse geht. Zum Trinken gibt es hier außerdem die besten Teeblumen, die ich in Beijing kennengelernt habe. Danach bietet sich ein kleiner Abendspaziergang über die „Geisterstraße“ an, gut zu erkennen an den zahlreichen roten Lampions.

Das Restaurant finden

 

Guijie

#10 Die Aussicht auf die nächtliche Skyline genießen in der obersten Etage des Hyatts

Im Gegensatz zu westlichen Städten, kann man sich den Besuch einer Hotelbar in Peking durchaus leisten. Die höchste Bar der Stadt mit der besten Aussicht – besonders von den Toiletten 😀 – findet Ihr im Hyatt im Central Business District. Für einen Cocktail mit Aussicht seid Ihr umgerechnet mit 8 Euro dabei.

Der Weg zum Cocktail

hyatt

 

#11 Der Ausblick vom Kohlehügel und die singenden Rentner

Unweit der Verbotenen Stadt erhebt sich der Kohlehügel, von dem Ihr einen wunderbaren Ausblick auf selbige habt. Wenn Ihr Euch nicht in die mit Touristen gefüllte Verbotene Stadt traut, dann genießt zumindest von hier den Ausblick und macht ein paar Fotos. Letzters lieber heimlich, denn oben auf dem Kohlehügel steht ein Buddhatempen. Bei Buddhatempeln werden Kameras nicht gern gesehen. Ich empfehle jedem am Sonntag in den Kohlehügel-Park zu gehen, denn dann treffen sich hier die Rentner des umliegenden Viertels zum Singen und Tanzen. Ein bisschen Beijinger Alltagsleben ganz dicht an einer der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Welt. Wenn Ihr Euch die Verbotene Stadt anschauen möchtet, geht so früh wie möglich hin und meidet chinesische Feiertage.

singen

 

#12  789 Design District

Nach einem Besuch der alten Sehenswürdigkeiten kann man sich auch einmal eine neue Sehenswürdigkeit genehmigen. 798 (sprich tschi-jio-ba) ist der Kunstdistrikt von Peking. Hippe Cafés und Galerien mit zahlreichen Apfelrechnern (die hier übrigens „Pinguo“ heißen wie der chinesische „Apfel“ und sich großer Beliebtheit erfreuen). Auf der Straßen sind plötzlich nur noch Hipster-Chinesen unterwegs und überall gibt es Cafes und Shops mit selbst designten Dingen. Man hat jedenfalls fast das Gefühl in Mitte oder Neukölln zu sein. 

798 ist ursprünglich ein altes Fabrikgelände gewesen. In die leeren Fabriken haben sich irgendwann junge Künstler eingemietet und angefangen dort zu arbeiten und ihre Arbeiten zu verkaufen.

789 artdiscit.png

 

Gibt es auch etwas, was sich nicht lohnt?

 

#1  Die Malls für Fake-Designerwaren

Silk Market, Yashow Market & Co, die in vielen Reiseführern angepriesen werden, sind keine schönen traditionellen Märkte sondern Ramschhöllen für gefakte Designerwaren und billige Souvenirs. Die Verkäufer sind aggressiv und zerren gerne an potentiellen Kunden von allen Seiten. Wir waren froh dort schnell wieder raus gefunden zu haben.

 

#2 Der touristische Dong-Hua-Men-Nachtmarkt 

Auf dem besagten bekannten Dong-Hua-Men-Nachtmarkt gibt es krabbelnde Insekten am Spieß, die dann später im Fritierfett verenden. Auch wenn ich kein Freund von Vogelspinnen und Raupen bin, ist das ziemlich brutal und hat auch wenig mit der traditionellen Küche zu tun . Es ist wohl eher ein Mutprobe für Touristen.

 

#3 Sanlitun – Das neureiche Beijing

Sanlitun im Ostteil von Beijing gilt als das Shopping- und Ausgehviertel. Wer aber eher das coole, hipsterige oder traditionelle Beijing bei Nacht sucht, sollte um Sanlitun einen großen Bogen machen. Ich selbst fand Sanlitun einfach klinisch und kommerziell und voller aufgestylter Teenis. Einen Besuch wert allerdings ist der „Beijing Bookworm“, ein Café was gleichzeitig Buchladen und Veranstaltungsort für kulturelle Events ist.

 

#4 Park des duftenden Berges

Wie schön das klingt: Park des duftenden Berges. Die Realität sieht leider ganz anders aus. Der Park mit einigen Pagode ist vermüllt und an Wochenenden gnadenlos überfüllt. Wenn halb Beijing dann auch wieder nachhause möchte, steht man dort gerne eine Stunde im Stau.

 

#5 Neuer und Alter Sommerpalast an Feiertagen und am Wochenende

Neuer und Alter Sommerpalast stehen eigentlich auf der To-Do Liste jedes Touristen. Ja, es gibt hier einige schöne Palastanlagen, wenn diese nicht gerade wieder restauriert werden und eingetütet sind. Aber man sollte wissen, dass Beijing auch für 1 Milliarde Chinesen DAS potentielle Reiseziel Nr. 1 ist und viele Sehenswürdigkeiten einfach keinen Spaß machen, wenn man sich nur durch Gärten, Tempeln und Paläste schiebt. Gerade den Sommerpalast habe ich immer in Nahkampfstimmung erlebt. Daher sind meine Tipps, neben einigen wenigen Must-See‘s auch eher die versteckten Seiten Beijings.

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