MOLDAWIEN – Reisetipps für das ärmste Land Europas

 

Eine Reise in das ärmste Land Europas

Statistisch gesehen ist Moldawien das ärmste Land Europas und das Land mit den wenigsten Touristen noch dazu. In Rankings der am wenigsten sehenswerten Ländern der Welt spielt Moldawien gerne ganz weit oben mit. Wenn also Moldawien das Armenhaus Europas ist und es wirklich nichts zu sehen gibt, muss man dort wirklich hin?

Wir fanden ja! Schließlich gibt es gerade eine neue Flugverbindung mit Wizzair von Berlin nach Chisinau. Und gibt es dort nicht Transnistrien, das Land, das es nicht gibt? 🤔 Zeit also einem kleinen unbekannten Land in Osteuropa ein Gesicht zu geben.

Moldawien ist Euer Reiseland:

  • wenn Ihr Wein mögt
  • wenn Ihr auf Abenteuer steht
  • wenn Ihr Touristen seid, die keine Touristen mögen
  • wenn Ihr eine Zeitreise in die alte Sowjetunion unternehmen wollt
  • wenn Ihr auf einer Reise wenig Geld ausgeben wollt

Überraschend gute Weine und eine leckere Landküche

Moldawien hat uns überrascht. Weniger für die eher eintönige Agrarlandschaft als für wirklich gute Weine, die leckere regionale Küche und richtig freundliche Menschen. Am Ende wurden wir sogar spontan auf eine moldawisch-bayrische Hochzeit im Dorf eingeladen.🙈

Im Garten der Sowjetunion

Moldawien ist der einstige Garten der Sowjetunion. Insbesondere Wein, Obst und Gemüse wurden hier für den kommunistischen Riesenstaat angebaut. Heute bezieht Russland seine Weine nur noch von wenigen moldawischen Weingütern. Eine wohl auch politische Maßnahme. Seit 3000 Jahren wird in Moldawien Wein angebaut, heute vor allem für die Länder Osteuropas. Die Weingüter werden professionell geführt und Weine gewinnen regelmäßig europäische Preise – aber selten findet ein moldawischer Wein seinen Weg in die deutschen Weinregale.

Mit Englisch kommt man nicht weit

Mit Englisch werdet Ihr nur schwer in Moldawien vorankommen. Gut klappt es mit Russisch und manchmal auch mit Französisch wie wir bei einem Tankwart feststellten. (In den Schulen lernen die meisten Moldawier tatsächlich Französisch nicht Englisch – vermutlich aufgrund der engen Verwandtschaft zur rumänischen Muttersprache.) Um der Sprachproblematik zu entgehen und günstig nach Transnistrien zu kommen, haben wir uns einen Mietwagen gebucht. Die Straßen sind bis auf das häufige Fehlen von Fahrbahnmarkierungen übrigens absolut ok!

Auch in Moldawien könnt Ihr Mietauto fahren

Nachdem ich auf der Albanienreise gerade erst großer Fan vom „geländetauglichen“ Dacia Logan geworden war, bescherte uns selbiges Modell auf dieser Reise diesmal großartige Elektronikfehler. Teilweise konnten wir das Auto mitten im tiefsten Moldawien nicht mehr abschließen. Da hatten wir gerade die Probleme „fehlender internationaler Führerschein“, „wilder Innenstadtverkehr in Chisinau“ und „naiv aussehende Mädels, die man gut mit heimlichen Zusatzversicherungen übers Ohr hauen kann“ überstanden und dann steht man an der transnistrischen Grenze mit einem nicht abschließbaren rumänischen Auto. 🤔🤔

Aber am Ende wurde mir entgegen allgemeiner Meinungen weder ein verriegelbares Auto in Albanien noch ein nicht abschließbares Auto in Moldawien entwendet. So schlimm ist Osteuropa scheinbar wirklich nicht. 😜

 

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MEINE 8 TIPPS FÜR EINE REISE NACH MOLDAWIEN 

 

 

#1 Das Felsenkloster von Orheiul Vechi

Es riecht nach Bienenwachs und Weihrauch. Ein uralter orthodoxer Pope läuft gebückt durch die flache Höhle und zündet Kerzen an. Ein aus der Zeit gefallener Ort. Das Felsenkloster in Orheiul Vechi erreicht Ihr nur durch eine kleine Höhle, deren Eingang sich auf der Rückseite des Berges befindet. Vom Kloster aus könnt Ihr auf eine Art natürlichen Balkon mitten in der Steilwand heraustreten und habt ein grandiosen Blick über die weite Landschaft.

 

 

#2 Moldawischen Bauernhofurlaub in Butuceni machen

Butuceni ist einer der wenigen Touristenorte des Landes. Das Dorf ist allerdings nicht das, was wir uns unter einem ersten Touristenort in Osteuropa vorstellen würden. Ein findiger Moldawier hat die Zeit übersprungen und beginnt gleich mit einem Konzept, das in Mitteleuropa schwer im Trend ist: Eco Tourismus. 14 alte Bauernhöfe im Dorf wurden authentisch für den Tourismus saniert. Es gibt niedliche Bauernstuben an Feriengäste zu vermieten und zwei kleine Restaurants zeigen, was in Moldawien auf dem Land auf den Teller kommt. Dazwischen holen alte Mütterchen Wasser am Brunnen, Hähne krähen und Paprikas werden in der Sonne getrocknet. Hier ist das Leben noch wie vor 100 Jahren. Doppelzimmer ab 40 Euro.

Eco Ressort Butuceni

 

#3 Die tollen Weine von Chateau Vartely verkosten

Chateau Vartely könnte auch irgendwo in Frankreich liegen. Alles wirkt überraschend modern und hochwertig, eben ganz anders als man es im ärmsten Land Europas erwarten würde. Nach einer Privatführung über das Weingut gab es noch eine Weinverkostung von 6 Weine für insgesamt 20 Euro. Die angefangenen Flaschen darf man danach mitnehmen. Wir waren überrascht von der Qualität des Weins, der bereits einige europäische Weinpreise gewonnen hat. Von der besagten Süße und Schwere, die osteuropäischen Weinen nachgesagt wird, keine Spur. Neben bekannten Sorten wie Merlot und Riesling werden auch heimische Rebsorten verwendet. Tatsächlich haben uns diese am besten geschmeckt.

Chateau Vartely finden

 

#4 Der größte Weinkeller der Welt und die Naziweine

Wer hätte gedacht, dass der größte Weinkeller der Welt in Moldawien liegt? Cricova ist eine alte Mine mit 60km langen Gängen, in denen hunderttausende Weinflaschen lagern. Hier wurden bereits Staatsgrößen wie Nikita Cruschtschow abgefüllt und die Rote Armee brachte die Weinsammlung von Hermann Göring nach dem Fall Nazi-Deutschlands hierher. Cricova ist der wahre Staatsschatz der Moldawier. Aufgrund der Größe bewegt man sich übrigens mit Golfautos durch den Weinkeller. Touren gibt es täglich in verschiedenen Sprachen.

 

Cricova finden

 

#5 Transnistrien – das Land, das es nicht gibt

Ganz im Osten Moldawiens findet Ihr Transnistrien. Die Region lebt als eigener Staat mit eigener Währung, eigenem Parlament und eigener Aussenministerin. Statt Rumänisch wird hier Russisch gesprochen. Das Problem? Kein Staat erkennt Transnistrien an. Nicht einmal der große Bruder Russland,  zu dem Transnistrien gerne wieder gehören würde.

Eine Reise nach Transnistrien ist eine Zeitreise in die alte Sowjetunion. Meinen Reisebericht in das Land, das eigentlich nicht existiert – zu alten russischen Panzern, Lenin und fiesen Grenzbeamten- findet Ihr hier.

 

#6 Das moldawische Blau ergründen

Aus uns nicht näher bekannten Gründen lieben Moldawier die Farbe blau. Ob Häuser, Brunnen oder Grabkreuze – Blau ist in Moldawien allgegenwärtig. Vielleicht löst Ihr auf Eurer Reise das Rätsel um das moldawische Blau. 😊

 

 

#7 Sarmale und süße Piroggen probieren

Im ehemaligen Garten der Sowjetunion gibt es selbstverständlich leckeres Essen. Es gibt Bekanntes aus der russischen Küche, aber auch viel Lokales zu probieren. Das Essen ist übrigens super günstig. Für ein kleines Hauptgericht haben wir umgerechnet oft nur 2 Euro bezahlt. Meine Highlights waren „Sarmale“ (eine Art Mini-Kohlroulade mit Schmand) und mit heißen Kirschen oder Käsekuchen gefüllte Dumplings.

 

 

#8 Die bunten Gartentore fotografieren

In Moldawien wird besonders viel Wert auf hübsche Gartentore gelegt. Manche Muster erinnern noch an sowjetische Zeiten. Kein Tor gab es auf unserer Reise zwei Mal.

 

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2 Kommentare zu „MOLDAWIEN – Reisetipps für das ärmste Land Europas

  1. Toller Bericht! Das macht die Vorfreude noch ein bisschen größer, denn mein Freund und ich fliegen in 2,5 Wochen nach Moldawien, da ein Freund uns seine Heimat zeigen möchte. Anschließend fliegen wir nach Rumänien, um Dracula einen Besuch abzustatten. Danke für die Modawien- Tipps!
    Viele Grüße
    Manu

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