OMAN – lohnt sich das Reiseziel?

Warum ich schon immer in den Oman wollte, aber heute nicht jedem das Reiseziel weiterempfehlen würde

Der Oman liegt nur 6 Flugstunden von uns entfernt und verspricht für diese kurze Distanz ein Maximum an Exotik. Sultanat Oman, das klingt doch schon wie ein orientalisches Märchen, dachte ich mir. Die Flugpreise sind nicht ganz so teuer und Sommer mitten im Winter gibt es auch. Plus vermutlich wunderschöne Souks und Landschaften. Daher war dieses Land jahrelang ganz oben auf meiner Reiseliste.

Wir hatten uns für eine Woche Oman Anfang Oktober entschieden. Und der Oktober war definitiv ein Fehler, denn im Oktober sind es noch locker 40 Grad im Sultanat. Mit Klimaanlagen kennt man sich hier aus, aber lange Ausflüge und Nächte in Wüstencamps werden schnell zu einer schwitzigen Angelegenheit.

1001 Nacht, tolle Fotomotive und tropische Wüstentäler

Der Oman hat all das, was Dubai und Abu Dhabi nicht haben. Alte Städte, 1001-Nacht Flair und Einsamkeit. Ich habe nur den Souk im Muscat gesehen, aber auch der hat mich sofort mehr überzeugt als die Souks in den angrenzenden Emiraten. Der Oman ist authentisch. Wenn Ihr Muscat und Umgebung verlasst, wird es sehr schnell einsam auf der Straße. Manchmal fand ich es fast etwas zu einsam. Gerade am Indischen Ozean, waren wir gefühlt nur noch die einzigen westlichen Menschen auf der Straße und in den Orten.

Die Landschaft im Oman ist im Norden durch hohe Wüstenberge geprägt. Immer wieder werden die Berge von wunderschönen grünen Wadis durchbrochen. Nach Süden hin beginnt eine riesige Geröllwüste. Ganz im Süden des Landes wechselt um Salala herum die Klimazone. Monsunausläufer von Afrika her tauchen die Landschaft zeitweise in ein sattes Grün. Nach Salala kommt Ihr bequem mit einem Inlandsflug. Wir haben den Landesteil auf unserer Reise aus Zeitgründen ausgelassen.

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Nach meiner Meinung könnt Ihr im Oman gut einen Standorturlaub in Muscat machen und von dort aus in Tagesausflügen den Norden des Omans erkunden. In 1-2 Fahrstunden erreicht Ihr bereits tolle Wadis, die Sandwüste Rubn-al-Khali oder den berühmten Tiermarkt von Nizwa.

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Exotische Fotomotive gibt es jedenfalls en masse. Mir hat besonders gut gefallen, dass die Omanis häufig ihre traditionelle Kleidung tragen. Bei Fotos solltet Ihr natürlich die Person vorher fragen.

Der Oman ist teuer, erfordert ein Mietauto und eine gewisse Toleranz gegenüber Müll

Ihr solltet unbedingt wissen, dass der Oman alles andere als ein Schnäppchenreiseziel ist. Die Unterkünfte vor Ort schlagen ab 100 Euro aufwärts zu Buche. Und dafür dürft Ihr keinen hohen Standard erwarten. Auch für Muscat selber braucht Ihr ein Mietauto. Außer Taxis haben wir eigentlich keine öffentlichen Verkehrsmittel gesehen. Es gibt einen Hop-on-hop-off Bus für Touristen, der allerdings absolut überteuert war. Daher waren wir sehr froh über unseren Mietwagen – und seine Klimaanlage. 🙂 Die Straßen sind qualitativ übrigens prima. Der Fahrstil der Omanis weniger 😉 Der 4×4, der einem immer wieder empfohlen wird, ist wirklich nicht nötig auf den meisten Strecken. Es sei denn, Ihr wollt ins Jebel Shams Gebirge. Fazit: Wenn Ihr Low Budget reisen wollt und kein Auto fahren möchtet, dann ist der Oman eher nicht Euer Reiseziel.

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Eine weitere Sache, die mir im Vergleich zu den Emiraten negativ aufgefallen ist, ist dass es an Stränden und in den Wadis (Wüstentälern) oftmals nicht unbedingt sauber war. Gerade an schönen Plätzen in Wadis und an Stränden lagen immer wieder Hinterlassenschaften von Picknicks und anderer Müll herum.

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Die Omanis lieben übrigens picknicken. Ich habe mich immer wieder versucht an picknickende Großfamilien heranzuschleichen, um die bunten Gewänder der alten Mütterchen zu fotografieren. 😀

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Wenn Ihr einen Strandurlaub plant oder zumindest öfter ins Meer gehen wollt, dann bucht Euch lieber gleich eines der Hotels direkt am Strand (diese sind dann leider auch etwas hochpreisiger). Aufgrund der Hitze, hätten wir uns gerne öfters mal abgekühlt. Dabei standen wir aber vor dem Problem, dass die schönen Strände in Muscat und Umgebung allesamt von Hotels okkupiert wurden. (Auch ein Reinschleichversuch an so einen Hotelstrand endete leider wieder vor der Tür). Es gibt zwar einen öffentlichen Strand, der aber direkt an der Hauptstraße liegt und von Großfamilien und Autos bevölkert wird. Baden gingen hier meist nur die Kinder, weswegen ich mich dann nicht getraut habe.

Im Oman spielt sich das Leben Zuhause ab

Wie in allen arabischen Ländern ist die Familie das Zentrum des arabischen Lebens. Als Konsequenz fällt mir immer wieder das Fehlen von zahlreichen Cafés und Restaurants im öffentlichen Raum auf. In Muscat gibt es keine „Touristenmeile“, wo sich Tourifalle an Tourifalle reiht, was natürlich gut ist. Aber es gibt auch nicht die vielen authentischen Cafés und Restaurants für Einheimische, die wir aus europäischen Städten kennen und schätzen. Viele Restaurants und Bars sind im Oman Teil von Hotels, was wenig Flair hat. Es gibt einige Shisha-Bars, in denen sich die männliche Jugend trifft sowie bessere Kebab-Imbisse und indische Restaurants, in denen man viele Gastarbeiter sieht. Die beste Auswahl an Essensmöglichkeiten findet Ihr in der Gegend des Souks.  Achtung: Wie in den Emiraten gibt es in einigen Restaurants eine Familysections für Gruppen mit Frauen.

 

 

Bikini oder Burkini? So solltet Ihr Euch kleiden

Im Oman solltet Ihr Euch aus Respekt zu den Einheimischen zurückhaltend kleiden. An öffentlichen Stränden sollten Frauen lieber zum Badeanzug anstatt zum Bikini greifen. In Moscheen gibt es schicke „Leih-Burkas“, die jede Frau tragen muss (macht Eure Fotos aber gleich noch authentischer 😀 – und im Vergleich zur schwarzen Plastikburka in der Abu Dhabi Moschee geradezu stylisch).  Auch wenn ich niemand bin, der prüde ist, bin ich auch mal im T-Shirt schwimmen gegangen, wenn nur Einheimische in der Nähe waren. Das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Ich habe mich so irgendwie wohler vor Blicken gefühlt.

Insgesamt sind die Omanis aber extrem zurückhaltend gegenüber Frauen. Ich kenne auch Mädels, die nur als Frauengruppe im Oman unterwegs waren und keinerlei Probleme hatten.

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Zwei Ausflüge, die Ihr unbedingt machen solltet

 

#1 Sultan Qaboos Grand Moschee besuchen

Die Hauptmoschee des Oman ist eine der größten der Welt befindet sich in Muscat. Sie ist die einzige Moschee im Oman, wo der Zutritt auch für nicht-Muslime gestattet ist. Am Eingang gibt es gegen einen Gebühr eine „Leih-Burka“ für Frauen.  Für die orientalischen Breitengrade kommt die Moschee geradezu schlicht daher. Ganz in weiß. Vom Außenbereich der Moschee habt Ihr immer wieder atemberaubende Blicke in die gebirgige Landschaft um Muscat herum.

 

 

Ihr solltet Euch unbedingt in der weitläufigen Gartenanlage einmal umsehen. Umgeben von Jasminduft gibt es zahlreiche Wasserspiele und Blumenbeete. Spätestens hier kommt 1001-Nacht Feeling auf.

 

 

 

#2 Durchs Wadi Shab klettern und schwimmen

Das Wadi erreicht Ihr ca. nach einer Stunde Autofahrt von Muscat aus.  Auto unter der Brücke parken und los geht’s (möglichst mit einer großen Flasche Wasser und guten Schuhen). Euch erwartet eine tiefe Wüstenschlucht mit mal ausgetrocknetem Flussbett, mal türkisen kühlen Pools und tropischer Vegetation.

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Nach etwa einer Stunde geht es dann nur noch im Wasser weiter. Daher solltet Ihr Euch wenn möglich einen Tauchrucksack oder zumindest eine Plastiktüte für Eure Wertsachen mitnehmen. Auch Tauschschuhe sind perfekt, denn immer wieder watet Ihr über ziemlich spitze Steine. Was jetzt kommt, ist etwas für Abenteurer, aber meiner Meinung nach DAS Must-See des Omans.

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Nach einer halben Stunde im Wasser (keine Sorge, Ihr lauft mehr als dass Ihr schwimmen müsst), erreicht Ihr eine enge Felsspalte. Spätestens hier wäre zumindest ich umgekehrt, aber ein paar Araber, die uns entgegen kamen meinten wiederholt „That’s really worth to visit.“ Also haben wir uns im tiefen Wasser durch diese enge Felsspalte gezwängt.

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Leider hatten wir hier unsere Kamera nicht mehr dabei (Fotos: swissfamily.ch). Am Ende der Felsspalte erwartet Euch eine spektakuläre Grotte mit Wasserfall!

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Für normal begabte Schwimmer ist das Abenteuer problemlos machbar. 🙂 Selbst Kinder mit Schwimmflügeln waren in der Grotte unterwegs. Wir waren auch sehr erstaunt, dass plötzlich mitten in dieser tiefen Schlucht 2 Stunden entfernt von der Straße ein Rettungsteam auftauchte, das einen verletzten Inder durch des Fluss die Schlucht runter transportierte. Also traut Euch 😉

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Gibt es etwas, was sich nicht lohnt?

Der Oman ist bekannt für seine Wüstenforts. Wie bei thailändischen Tempeln gilt hier: „Kennst Du einen, kennst Du alle.“ Zumindest für Laien. Wir sind einmal zwei Stunden zu so einem Fort (Nakhal Fort) gefahren und fanden dann das Ziel der Reise nicht so spektakulär. Für jeden „Fort-Fan“ ist der Oman aber sicher das Ziel seiner Träume.

Gar nicht gefallen hat mir die Stadt Sur am Indische Ozean, die auf jeder größeren Rundreiseroute liegt. Eine arabische gesichtslose Kleinstadt. Eigentlich ist dort gar nichts los. In der Umgebung befindet sich die Ölindustrie, aber das war es dann auch schon.

2 Kommentare zu „OMAN – lohnt sich das Reiseziel?

  1. Schöner Bericht über Oman und sehr ehrlich. Oman ist sicher nicht jedermanns Sache. Mir gefällt es sehr gut und wir waren innerhalb von gut einem Jahr gleich 3x dort. Das erste Mal für 2 1/2 Wochen und dann nochmals 2x für jeweils 3 und 4 Nächte. Wir haben die eher luxuriöse Variante gewählt und dies lohnt sich definitiv. Wir haben auch ein 4×4 Mietwagen gemietet. Dies braucht man zu den bekannten Touristischen Sehenswürdikeiten nicht, wer aber die Berge und die weniger bekannten Wadis entdecken will, kommt nicht um einen Geländewagen und etwas Offroad-Erfahrung herum.
    Hier noch 2 Videos von unseren Kurztrips.

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